Rezension zum Auftritt im Hamburger Puppentheater, am: 21.09.2005

Wenn morgens um 7 Uhr der Bademantel verrückt spielt, der Toaster spinnt und das Telefon in der Küche ausflippt, sollte man auf der Hut sein. Gut möglich, dass dann ein winzig kleiner Mann mit riesigen Ohren unterwegs ist, um der Menschenwelt neue Töne zu entlocken. Um die zu hören, muss man mucksmäuschenstill sein und ganz genau hinhören – aber das ist beim »Figurentheater Wolkenschieber« kein Problem. Herr Popoczek alias Marc Lowitz und »Der kleine Herr Gelb« ziehen mit ihrem »Zwei-Mann«-Stück auch die jüngsten Zuschauer, bzw. Zuhörer, mühelos in ihren Bann.
Die Geschichte ist wirklich seltsam: Da sitzt der sympathische, noch etwas müde und gänzlich ahnungslose Herr Popoczek beim Frühstück in seiner Küche, das alte Telefon klingelt mehrmals, ohne dass sich jemand meldet - und dann, als Popoczek gerade nicht hinguckt, steigt doch tatsächlich ein winziges Männchen aus der runden Telefon-Wählscheibe und beginnt sofort zu wachsen. Das heißt: Es wachsen vor allem die Ohren. Wie sich herausstellt, ist Hörbert Gelb Geräuschesammler. Fängt Töne ein und lässt sie von seinem Lausch-Apparat zu wunderbaren Melodien verarbeiten. Die Küche von Herrn Popoczek ist ein Dorado an Tönen und der kleine Herr Gelb nimmt ziemlich energisch und mit hinreißendem Sprachfehler alles ganz genau unter die Lupe. Pardon, unter die Ohren natürlich. Welches Geräusch macht ein Nasenstüber? Die Tasse? Der Toaster? Und erstmal der Gastgeber selbst? Als der Chef des kleinen Herrn Gelb anruft und diesen zurückordert, hätte der mit seinem Haufen Tönen zufrieden sein können. Ist er aber nicht. Popoczek findet auch schnell heraus, woran es liegt: Sein Gast hat nur »Tag-Töne« eingefangen, dabei möchte er doch so schrecklich gerne einmal Nacht-Töne hören. Da hat Popoczek eine Idee: Er deckt den Küchentisch flugs mit einem großen Sternentuch zu und imitiert die Geräusche der Nachtvögel, des Käuzchen und des Uhus. Nun kann Hörbert glückselig wieder in sein Land am anderen Ende des Telefons zurückreisen.

Vom ersten Augenblick an hält Marc Lowitz seine kleinen Zuschauer und Zuhörer mit einfachen, aber hinreißend präsentierten Gags in Atem. Sein Kampf mit dem Bademantel ist einfach Klasse, eine wunderbare Slapstick-Nummer, die an die guten alten Stummfilme mit Buster Keaton oder Dick & Doof erinnert. Zwischendurch bricht Lowitz immer wieder aus seiner Rolle aus, macht neugierig auf das, was kommt, und beugt mit seinen geschickt eingeflochtenen Ankündigungen einem eventuellen Erschrecken der Allerkleinsten vor.
Kurz: »Der kleine Herr Gelb« ist ein Stück, das die Sensibilität für Klänge und Geräusche schult und mit soviel Witz und Weisheit daherkommt, dass auch große Ohren vom ersten bis zum letzten Moment gespannt lauschen. Ein Puppenspiel voller Zauber und Magie, das ganz auf die Poesie der kleinen Töne vertraut und zeigt, wie wenig es braucht, um tolles Theater zu machen.

Autorin: Isabelle Hofmann

 
Zuschauer-Email vom 3.7. 2011:
Liebe Wolkenschieber,
wir haben Euch inzwischen drei Mal mit verschiedenen Stücken beim Kuckucksmarkt in Rückersfeld gesehen, und weil Ihr das letzte Mal gesagt hattet, Ihr freut Euch über Zuschauer-Post, und weil der "Lach-Effekt" bis heute anhält, schreiben wir jetzt mal.
Unser fünfjähriger Sohn Jan amüsiert sich bis heute köstlich und fragt öfters mal (eigentlich regelmäßig beim Frühstückstoast) "Weißt Du noch das Toastbrot aus dem Toaster von Herrn Popochek...?" - dann folgt mit wachsender Begeisterung die Beschreibung des fliegenden und nicht aufzufangenden Toastbrots, gefolgt von der des Auftritts von Herrn Gelb, des harten Eis, des Telefonklingelns (wo doch Herr Gelb im Telefon saß) und dass Herr Gelb am Ende im Radio saß...
Und weil auch mir (einige Jahre älter) das Stück sehr gefallen hat und es einfach toll ist mitzulachen wenn ein Kind sich so freut, höre ich die Schilderung jedes Mal wieder gerne.

Also, zwei Fans in Nordhessen wünschen Euch weiter viele gute Ideen, Spaß an der Arbeit und guten Erfolg.

Mit herzlichen Grüßen,
Hilke Kaukers

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